Konzept
eine Künstlerin – eine Idee – in die Post - aus der Post – ein Künstler – eine Idee – in die Post – aus der Post – eine Künstlerin – eine Idee – in die Post – aus der Post – . . .
Ein Prinzip des Weitergebens
Seit acht Jahren entwickeln wir ein langfristig angelegtes, experimentelles Gesamtkunstwerk, das nach dem Prinzip der „Stillen Post“ funktioniert. Professionelle Künstler*innen aus ganz Deutschland
reagieren jeweils auf die Arbeit einer Kollegin oder eines Kollegen mit einem eigenen Beitrag.
So entsteht Schritt für Schritt ein zusammenhängendes Werk aus unterschiedlichsten künstlerischen Ausdrucksformen – darunter Zeichnung, Malerei, Fotografie, Collage, Druckgrafik, Musik, Video und
Objekt. Jede Arbeit ist zugleich Antwort und Ausgangspunkt: beeinflusst vom Vorhergehenden und impulsgebend für das Folgende.
Der Beginn eines offenen Prozesses
Anfang 2017 begann das Projekt mit einer ersten Arbeit, die per Post an einen zweiten Künstler weitergegeben wurde. Dieser reagierte mit einem eigenen Werk und sandte es an die nächste Position
weiter. Auf diese Weise reihte sich nach und nach eine wachsende Kette von Künstlerinnen und Künstlern ein, die sich zumeist nicht kannten.
Die jeweils empfangene Arbeit blieb bis zur Ausstellungseröffnung in Obhut der Beteiligten und wurde erst dort persönlich gehängt. Erst an diesem Punkt kamen alle Beiträge erstmals physisch
zusammen.
Ausstellungen als Momentaufnahmen
Die erste Präsentation fand im Kutscherhaus Recklinghausen statt, wo 22 Arbeiten zusammengeführt wurden. In den folgenden Jahren wuchs das Projekt kontinuierlich weiter und wurde an wechselnden Orten
gezeigt:
2018 mit 28 neuen Werken in der Galerie ins Blaue in Remscheid,
2019 mit neu dazugekommenen Arbeiten im Kulturbunker Köln-Mülheim,
2020 noch weiter gewachsen,in der Kulturkirche Duisburg.
2023 präsentierten wir das stetig wachsende Gesamtkunstwerk in der TUFA Trier sowie im Forum für Kunst und Kultur in Herzogenrath.
Inzwischen umfasst das Projekt 110 miteinander verbundene Arbeiten.
Jede Ausstellung ist dabei keine abschließende Präsentation, sondern eine Momentaufnahme eines fortlaufenden Prozesses.
Dialog statt Konkurrenz
Fernab von Konkurrenzdenken und Kunstmarkt eröffnet dieses Format einen Raum für dialogisches Arbeiten und kollektive Prozesse – vergleichbar mit Formen des Zusammenspiels, wie man sie aus der Musik
kennt. Eine oft verborgene Ebene künstlerischer Entscheidungsfindung wird sichtbar: das Reagieren, Weiterdenken und Vertrauen in einen offenen Verlauf.
Alle Beiträge stehen in Beziehung zueinander und bilden gemeinsam ein Geflecht aus Einflüssen, Antworten und Weiterführungen.
Begegnung und Vermittlung
An den Ausstellungstagen entsteht ein lebendiger Austausch über die Verknüpfungen von Werk zu Werk. Besucherinnen und Besucher können nachvollziehen und erleben, wie in diesem Prozess etwas entsteht,
das gemeinsam „größer ist als die Summe seiner Teile“.
Das Projekt lädt dazu ein, künstlerische Prozesse nicht nur als fertiges Ergebnis, sondern als gemeinsames Werden zu begreifen.